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„EIN LEBEN OHNE KINO? SINNLOS!“ Im Park-Kino Bad Reichenhall gibt es reichlich Grund zu feiern. Vor 100 Jahren wurden hier die ersten Filme gezeigt. Vor 20 Jahren übernahmen Josef Loibl und Max Berger das Kino. Und heuer erhielten sie für ihr Engagement den Kulturpreis der Stadt. DAHOAM — Magazin der Stadtwerke Bad Reichenhall 17 Der Weg ins Park-Kino führt über den Roten Teppich, nicht nur für Stars und Sternchen, die bei Premieren regelmäßig auflaufen. Marianne Sägebrecht, Alexander Held, Marcus H. Rosenmüller, Joseph Vilsmaier, Sebastian Bezzel, Elmar Wepper, die Liste ist lang. In den historischen Kolonnaden des Hotels Axelmannstein haben Josef Loibl und Max Berger in den vergangenen 20 Jahren ein kleines Juwel geschaffen. Harte Arbeit für die zwei Betreiber, als sie 1998 starteten, eröffnete zeitgleich in Salzburg das erste riesige Cineplexx. Eine schier unbezwingbare Konkurrenz. Aber Loibl und Berger haben ihre Nische gefunden: feine kleine, deutsche und europäische Produktionen statt Mainstream und Kommerzkino - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen. Das kommt an, beim Reichenhaller Publikum und weit über die Grenzen hinaus. Die beiden Betreiber wissen genau, was ihren Gästen gefällt, kennen ihr Publikum, nicht nur mit Namen. „Im Laufe der Zeit entwickelt man ein Gespür was ankommt“, sagt Loibl. Er reist regelmäßig zu Branchenveranstaltungen in ganz Deutschland, um neue Kinofilme vorab zu sehen. „Das machen nicht viele. Ich finde das ganz wichtig, schließlich will ich meinen Gästen nichts präsentieren, das ich selbst nicht kenne.“ Festplatte statt Filmrolle Rund Dreiviertel Millionen Euro haben die beiden Betreiber in den letzten Jahren in www.stadtwerke-bad-reichenhall.de ihr kleines Schauspielhaus investiert. Möglich war das nur dank eines großen Erbes, Fördergelder und Eigenmittel. Sie haben Leinwände und Bestuhlung erneuert, Brandschutzverordnungen umgesetzt, den kleinsten Saal in eine Lichtspiel-Lounge mit bequemer Sofa-Landschaft auf zwei Ebenen eingerichtet. Auch der Eingangsbereich ist komplett saniert. 2012 kam die Digitalisierung. Seitdem werden Filme von digitalen Festplatten abgespielt. Das funktioniert so: Das Kino erhält vom Verleiher eine digitale Festplatte mit dem Film, der auf den Server des Beamers kopiert wird. Mitgeliefert wird auch ein spezieller Code, der den Film nur für eine begrenzte Zeit abspielbar macht. Bis 2020 sind weitere Neuerungen geplant: In den beiden Hauptsälen soll eine noch bessere Akustikdämmungen installiert werden. „Die Tonqualität macht sehr viel aus“, weiß Josef Loibl. Kino mit Seele Kampfgeist, Beharrlichkeit, Ausdauer und Feingefühl bei der Filmauswahl, attestierte Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner Josef Loibl und Max Berger bei der Auszeichnung mit dem städtischen Kulturpreis. Eine wichtige Anerkennung, über die sich die zwei sehr gefreut haben. Und die sie in ihrem Konzept bestärkt. „Wir wollen die Leute zusammenbringen, Kino ist ein sozialer Raum. Natürlich kann man auch Zuhause fernsehen und hat mit Streaming-Diensten viel Auswahl, aber an eine Kinovorführung kommt das nicht ran. Ein Kinobesuch bringt den Zauber der Kindheit zurück“, ist sich Loibl sicher. Er ist Cineast aus Leidenschaft, genauso wie Max Berger, der sich lieber im Hintergrund hält und die Technik steuert. Eine Sieben-Tage-Woche ist für beide völlig normal. Freizeit bleibt kaum. Macht nichts, ein Leben ohne Kino wäre sinnlos, sagt Loibl. Und wenn doch mal ein bisschen Luft ist, schauen sie gerne Klassiker der Filmgeschichte. „Vom Winde verweht“ ist Loibls absoluter Lieblingsfilm. „Dem kann keiner das Wasser reichen.“ Dem Park-Kino auch nicht. Josef Loibls Kinotipps Sehenswert „Bohemian Rhapsody“ die Verfilmung über Queen und ihren Frontman Freddy Mercury. „Mary Poppins Rückkehr“ Fortsetzung des Disney- Kult-Klas sikers mit Emily Blunt „Der Junge muss an die frische Luft“ die Bestseller-Verfilmung basiert auf Hape Kerkelings gleichnamiger Autobiographie


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