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VOM PAPPDECKEL ZUM FERNSEHEN Weihnachten 1883 im Nordwesten Berlins, die Geburtsstunde der Fernsehtechnik: Der Student der Naturwissenschaften Paul Nipkow sitzt mit zusammengekniffenen Augen vor einer brennenden Kerze. DAHOAM — Magazin der Stadtwerke Bad Reichenhall 18 Text: Kathrin Thoma-Bregar Er ist alleine, die Eltern und Geschwister weit weg in Pommern. Voller Heimweh starrt der junge Mann so lange in den Kerzenschein, bis er nur noch Strahlen sieht, zerlegt in viele kleine einzelne Lichtpunkte. Als Nipkow die Augen öffnet, ist das Bild wieder klar und vollständig. Wenn aus einzelnen Punkten ein ganzes Bild entstehen kann, so seine Überlegung, dann müsste es doch möglich sein, statt eines Bildes im Ganzen lediglich lauter einzelne Punkte in die Ferne zu übertragen. Und sie dann an diesem entfernten Ort wieder in der richtigen Reihenfolge zum ganzen Bild zusammenzusetzen. Nipkow greift zu Papier und Bleistift, vergessen sind der Heilige Abend und die ferne Familie. Der 23-Jährige zeichnet eine kreisrunde Scheibe, die in regelmäßigen Abständen Öffnungen hat. Dreht man diese Scheibe vor einem Bild, dann ist jeder Teil des Bildes einmal durch eine der Öffnungen zu sehen. Das Bild wird so in einzelne Punkte zerlegt. Nipkow entwirft auch die Anordnung, in der die rotierende Spirallochscheibe der Bildübertragung von einem Ort zum anderen dienen kann. Ein Pappdeckel mit Löchern, einfach und genial und Generationen von Schulkindern als die „Nipkowsche Scheibe“ bekannt. Paul Nipkow lässt sich seine Erfindung patentieren, fast bringt er die dafür erforderlichen 30 Goldmark nicht auf. Die Patentschrift nennt er „Elektrisches Teleskop“. Die Beschreibung: Der Apparat hat den Zweck, ein am Orte A befindliches Objekt an einem beliebigen anderen Orte B sichtbar zu machen. Zwei Millionen Bildpunkte Auch wenn sich Nipkow nicht weiter mit seiner Erfindung beschäftigte, lief der erste Fernseher 1928 auf der 5. Funkausstellung in Berlin mit seiner mechanischen Nipkow-Scheibe. Allerdings war das Bild nur so groß wie eine Postkarte, ziemlich verwackelt und unscharf. Das Problem löste zunächst der Physiker Karl Ferdinand Braun. Er tauschte die Nipkow-Scheibe durch eine Kathodenstrahlröhre. Manfred von Ardenne verbesserte wiederum Brauns Elektronenröhre und realisiert als Erster das elektronische Fernsehen. 1931 stellte Ardenne seinen „Flying Spot Scanner“ – einen Leuchtfleck-Abtaster - vor. Das Bild war größer und heller und hatte eine höhere Auflösung. Sogar die New York Times soll auf ihrer Titelseite über Ardennes Erfindung berichtet haben. Die Übertragung der Olympischen Spiele 1936 war schließlich der endgültige Durchbruch für diese Technik. Heute stehen in fast jedem Wohnzimmer schlichte Flatscreens statt bulliger Röhrenfernseher. Die Entwicklung ist rasant, die Bildqualität wird immer noch besser. High Definition (HD) ist seit Jahren Standard. Hatte sein Vorgänger noch 400.000 Bildpunkte, besteht HD-TV aus zwei Millionen Bildpunkten, das macht seine hohe Brillanz aus. Aus für Analog Laut dem Bayerischen Landesmediengesetz müssen am 1. Januar 2019 alle analogen Fernseh- und Radiosignale abgeschaltet sein. Wer noch analog Fernsehen schaut, muss sich ein digitales Empfangsgerät besorgen oder mit einem Receiver nachrüsten. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf unserer Homepage unter: www.stadtwerke-bad-reichenhall.de Bestens beraten – Ihr Stadtwerke Kundenservice Sie haben noch Fragen? Nehmen Sie einfach Kontakt mit unserem Kundenservice auf – wir helfen Ihnen gerne weiter. Sie erreichen uns telefonisch unter der Rufnummer 08651 705-555 oder persönlich vor Ort in der Hallgrafenstraße 2 in 83435 Bad Reichenhall.


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