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Der Ofen ist das Herzstück der Schmiedewerkstatt. Eines der hochwertigen Damastmesser. DAHOAM — Magazin der Stadtwerke Bad Reichenhall 9 www.stadtwerke-bad-reichenhall.de fließend oder wässrig bedeutet. Nicht wie oft vermutet wird, von der syrischen Stadt Damaskus. Weil sich der Stahl aus zwei Sorten zusammensetzt, einen helleren und einen dunkleren. Die sind für die typische Maserung der Klinge verantwortlich. Bei Damastmessern ist sie nämlich nicht künstlich aufgebracht durch Prägen, Gravieren oder ähnliche Verfahren, sondern zieht sich aufgrund der vielen Faltungen und der Anzahl der Lagen durch die ganze Klinge. Jede Klinge erhält so ihr individuelles Aussehen, zeigt Hubert Hillebrand. „Es lassen sich zusätzlich verschiedene Muster erzeugen, je nachdem wie ich den Stahl bearbeite. Bei diesem Messer hier sind 280 feine Lagen Stahl die Grundlage“. Für das grobe Werken benutzt Hubert einen Lufthammer, der das ganze Haus beben lässt, für die Feinheiten schwingt er selbst den Hammer. „Mein Vater war schwerhörig, aber der Lufthammer war sogar ihm manchmal zu laut“, lacht der Hobbyschmied. Zwischen 20 Stunden für ein schlichtes und 50 Stunden für ein besonders hochwertiges Messer braucht Hubert Hillebrand. Auch die Griffe für die Messer fertigt, schleift und ölt er selbst. Gerade hat er einem Freund zum 40. Geburtstag ein Damastmesser geschenkt. Natürlich verwendet er die edlen Klingen auch selbst. Sie sind besonders scharf und perfekt zum Filetieren von Fisch. Weil das Material extrem zäh und hart ist, zeigt es selbst nach jahrelanger Nutzung kaum Verschleißerscheinungen. Es raucht. Es raucht richtig. Hubert Hillebrand verschwindet in der kleinen Werkstatt im Untergeschoss seines Hauses. Er trägt ein grünes Shirt, nur daran erkennt man ihn noch schemenhaft. „Ich habe den Ofen vorher schon angeheizt, damit wir ein schönes Feuer haben“, hört man ihn sagen. Im ersten Stock schließt seine Frau schnell Fenster und Terrassentür. Hubert Hillebrand stört der Schwefelrauch nicht mehr. „Ich mag den Geruch sogar ganz gerne“, sagt der 49-Jährige. Schon in der zweiten Klasse stand für ihn der Berufswunsch fest: schmieden. Nur deshalb hat er zunächst Bau- und Kunstschlosser gelernt. Heute ist es seine liebste Freizeitbeschäftigung. Ein zeitintensives Hobby, sagt er selbst. Am liebsten würde er täglich die Esse einheizen. Dafür nimmt er Steinkohle. Und für seine Damastmesser verwendet er nur beste Werkzeugstähle wie ihn schon die Samurai Kämpfer für ihre Schwerter hergenommen haben. „Das lässt sich heute mit Analysen genau nachweisen“, sagt Hillebrand und schürt das Feuer. Mit den bloßen Händen häuft er die Kohle zusammen. Mittlerweile hat es aufgehört zu rauchen. Fast weißlich flackern die Flammen. Stahl beginnt bei rund 1320 Grad zu schmelzen. Lampen, Türgriffe, Marterl oder Gipfelkreuze, wie das auf dem Kranzlstoa fertigt Hubert Hillebrand. Aber seine Leidenschaft sind Messer, Damastmesser. Scharf und langlebig Der Begriff „Damaszenerstahl“ leitet sich von dem arabischen Wort „Damas“ ab, das Fünf Fragen an … Hubert Hillebrand Kino oder Fernsehen? Fernsehen, am liebsten Naturfilme und Dokumentationen. Fisch oder Fleisch? Kann ich mich nicht für eines entscheiden also beides. Kalt oder heiß? Kalt, ich mag den Winter. Mountainbike oder Wanderschuhe? Wanderschuhe. Ziel sind meistens die Berge, die ich von Zuhause aus sehen kann. Ihr liebstes Haushaltsgerät? Natürlich meine eigenen Damastmesser!


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